So langsam gewöhnen wir uns ein. Es ist nicht mehr ganz so fremd und
fühlt sich schon etwas mehr nach Zuhause an. Ab und an frage ich mich
zwar immer noch, wo ich hier gelandet bin, aber wie es so schön heisst -
andere Länder, andere Sitten. Hier mal meine Zusammenfassung für den ersten Monat (bitte ernst zu nehmen ;)).
Autofahren
ist eine Herausforderung. Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt eher für
Weichlinge und die Fahrradspur ist in Wirklichkeit eine weitere
Rennstrecke zum Überholen. Der deutsche Fahrstil scheint mir hier
angebrachter und sogar hilfreich zu sein. Ein paar spanische Flüche
erleichtern das Fahren sicherlich auch noch.
Einkaufen kann zu
Verletzungen führen und sollte daher vermieden werden. Besonders
Einkaufswagen haben die Tendenz Füße zu finden und sich mit ihnen
bekannt zu machen. Auf den Parkplätzen rollern sie schonmal, mit Hilfe
der Wagenführer, beim Ausparken direkt an die Stoßstange. Das scheint
aber normal zu sein und wird nicht weiter beachtet.
Mit
Temperaturen um die 36°C täglich, scheint sich mein Gehirn zu
verabschieden. Besonders zwischen 11 und 17 Uhr scheint es sich frei zu
nehmen. Einkaufen während dieser Uhrzeiten führt zum mehrmaligen
Aufsuchen des gleichen Ladens, weil ich (trotz Zettel) etwas vergessen
habe. Das wiederum sollte vermieden werden, wenn man seine Füße nicht zu
sehr in Gefahr bringen will.
Ein Defizit in Schlaf,
hervorgerufen durch Tiger, der sich immer noch nicht ganz umgestellt
hat, macht mich nicht nur etwas launisch, sondern führt zu
Dauermüdigkeit. Autofahren ist daher keine so gute Idee. Besonders als
Beifahrer falle ich fast augenblicklich ins Schlafkoma und wache erst am
Ziel wieder auf. Ich werde wohl ein Vampirleben führen müssen ...
Das Überqueren der Grenze ist momentan nicht empfehlenswert, was ich sehr schade finde.
Alles
ist in Texas größer, das gilt besonders für alle Arten von Insekten.
Letztens hatte ich an unserem Küchenfenster eine etwa 3 cm große Fliege
und auch Kakerlaken und Ameisen sind hier besser sichtbar.
Wo wir
gerade von Ameisen sprechen, Volker hatte Sonntag eine besondere
Begegnung. Dank unsereres Katers ist er jetzt sehr eng mit ihnen
vertraut.
Beim Versuch Tiger aus der Hecke zu befreien, er ist
momentan noch draußen angeleint, zerstörten die beiden eine versteckte
Ameisenkolonie. Die Bewohner waren darüber nicht sehr erfreut und
wehrten sich sofort heftigst gegen die Störenfriede. Mit Erfolg, denn
Mann und Katze flüchteten, die Angreifer mit sich bringend, ins Haus.
Während
ich die Eindringlinge versuchte in Schach zu halten, nahmen Volker und
Tiger ein unfreiwilliges Bad unter der Dusche. Tiger war zu Tode
erschrocken, aber soweit okay, was ich von Volker nicht behaupten kann.
Sein Kreislauf ging total in den Keller, und er war übersät mit Bissen.
So gut es ging leistete ich Hilfe und Linderung, aber in der Nacht bekam
er trotzdem Schüttelfrost. Gott sei Dank ging es ihm morgens wieder
besser, und auch die meisten Bisse waren kaum mehr zu sehen, trotzdem
blieb Volker Zuhause. Sowohl er als auch Tiger verbrachten den Großteil
des Tages mit Schlafen, während ich mich um die Beseitigung der kleinen
Leichen kümmerte, die ich nachts übersehen hatte.
Nettere Dinge.
-
Letzten Freitag hatten wir hier mit Volkers Kollegen ein nettes BBQ.
Wir hatten alle viel Spaß und es wird sicherlich demnächst noch mehr
Zusammenkünfte dieser Art geben.
- Brownsville wächst und gedeiht,
und mein Eindruck, in einer grauen Stadt zu leben, verschwindet
zunehmend. Ich hoffe sie werden dabei auch noch etwas umweltbewusster,
dann liegt vielleicht auch bald nicht mehr so viel Müll an den
Straßenrändern.
- Eventuell fangen Volker und ich wieder mit Tanzen
an. Wir haben von einem Tanzkurs gehört. Etwas Bewegung soll ja
bekanntlich gut tun und dabei lernt man dann vielleicht auch Nicht-UTB Mitglieder kennen.
- Im August beginnt der Spanischkurs.
-
Ich bin wieder unter die Gärtner gegangen und züchte Blumen und Gemüse.
Angefangen habe ich erstmal mit Tomaten, Sonnenblumen, Lavendel,
Moosröschen und einer Margeritenart. Die Samen sind größtenteils bereits
aufgegangen und ich hoffe bald etwas Farbe im Garten zu sehen.
Vielleicht habe ich dann ja auch ein paar Schmetterlinge und bunte Vögel zu Besuch.
- Die Insektenplage im Haus scheinen wir in den Griff bekommen zu haben. Ab und an verirrt sich noch eine arme Seele.
-
Zwischen 6 und 8 Uhr morgens ist es auf unserer Terrasse wunderschön
ruhig und wenn ich dann bereits wach bin, sitze ich gern mit einer Tasse
Kaffee draußen.
- Am Sonntag haben Volker und ich noch einen
interessanten Park gefunden; Laguna Atascosa, und auf dem Weg dorthin
gibt es einen Biergarten! Der wird demnächst ausgekundschaftet.
So, das soll es erstmal gewesen sein, meine Müdigkeit schlägt gerade wieder zu.
Also, bis demnächst!
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